Blog-Artikel
Wenn Stress mehr ist als Stress
Wie wir Druck in Klarheit verwandeln - mit Bewusstsein, Mitgefühl und einer Prise Humor
Stress gehört irgendwie dazu – zum Alltag, zum Arbeiten, zum Elternsein, zum Leben überhaupt. Er weckt uns auf, hält uns wach, treibt uns an. In kleinen Dosen kann er sogar hilfreich sein: wie ein innerer Energieschub, der uns durch eine Deadline oder eine ungewohnte Herausforderung trägt.
Aber was, wenn dieser Schub nicht mehr nachlässt? Wenn der Körper auf Daueranspannung schaltet, das Herz rast, obwohl man längst im Bett liegt, und selbst in ruhigen Momenten der innere Motor weiter brummt?
Was, wenn der Stress nicht mehr wie ein Warnsignal, sondern wie ein Dauerzustand wirkt – oder wie ein Nebel, durch den man das eigene Leben kaum noch erkennt?
Dann sprechen wir nicht mehr nur über Stress. Dann geht es um etwas Tieferes.
Stress – ein Schutzsystem, das aus dem Takt geraten ist
In seiner ursprünglichen Form ist Stress eine kluge Erfindung der Natur. Wenn wir eine Herausforderung wahrnehmen, aktiviert sich unser autonomes Nervensystem. Hormone wie Adrenalin und Cortisol bereiten den Körper auf Reaktion vor: schneller Herzschlag, gespannte Muskeln, fokussierter Blick. Ein kluger, kurzzeitiger Mechanismus.
Doch unser heutiges Leben kennt selten klare Start- und Endpunkte für Stress. Wir haben keine natürlichen Ruhezonen mehr wie früher die Nacht am Feuer. Stattdessen: Informationsflut, Multitasking, permanente Erreichbarkeit, hoher Leistungsdruck – und ein ständiges Gefühl, „nicht genug“ zu sein.
Und irgendwann reicht der „normale“ Stress nicht mehr – dann kippt das System. Man schläft, aber ruht nicht. Man isst, aber nährt sich nicht. Man funktioniert, aber lebt sich selbst nicht mehr. Der Körper wird müde, die Seele still.
Burnout – wenn der Körper sagt: Ich kann nicht mehr
Ein Burnout ist kein plötzliches Ereignis, sondern meist das Ergebnis eines langen inneren Weges, auf dem zu viele eigene Signale überhört wurden.
Es ist, als hätte der Körper unzählige Male versucht zu flüstern – bis er schließlich schreien muss, um gehört zu werden.
Burnout ist Erschöpfung auf allen Ebenen: körperlich, emotional, mental, seelisch.
Nicht nur Müdigkeit, sondern eine bleierne Leere.
Nicht nur Überforderung, sondern ein Gefühl der Entfremdung – vom eigenen Leben, vom eigenen Herzschlag.
Und genau hier beginnt der Wendepunkt: Wenn nichts mehr geht wie vorher, entsteht Raum für etwas Neues.
Was Stress uns sagen will
Im Gesundheitscoaching nach dem Konzept „Gesundheit durch Bewusstsein“ betrachten wir Stress nicht als Feind, den es zu besiegen gilt.
Wir sehen ihn als Signalgeber, als innere Stimme, die uns zeigt, dass etwas nicht mehr im Gleichgewicht ist.
Die entscheidenden Fragen lauten nicht:
„Wie kriege ich das wieder weg?“
sondern:
„Was zeigt sich hier wirklich?“
„Wo bin ich von mir selbst abgerückt?“
„Was braucht mein System – mein Körper, mein Herz, mein Wesen – jetzt wirklich?“
Wenn wir beginnen, diese Fragen zu stellen, beginnt ein leiser Perspektivwechsel. Nicht mehr das Funktionieren steht im Mittelpunkt, sondern das wieder-in-Verbindung-Kommen.
Was hilft, wenn’s wirklich tief sitzt?
Manche Ratschläge helfen – wenn man noch Energie hat.
Atemübungen, kleine Pausen, positive Gedanken – wunderbar, wenn das Nervensystem grundsätzlich noch regulierbar ist.
Aber Menschen, die kurz vor oder mitten im Burnout stehen, berichten oft:
„Ich weiß, was ich tun sollte – aber ich kann es einfach nicht mehr.“
Dann braucht es nicht noch eine Technik, sondern ein echtes Innehalten.
Einen Raum, in dem nichts geleistet werden muss. In dem man nicht schon wieder „besser“ werden muss. Sondern in dem man erst einmal sein darf.
Im Coaching arbeite ich genau mit dieser Haltung. Mit Klarheit, aber ohne Druck. Mit Struktur, aber ohne Starrheit. Mit Mitgefühl – auch für die Anteile, die sich gerade leer, klein oder widerspenstig zeigen.
Heilung beginnt mit Wahrnehmung – nicht mit Optimierung
Stressverwandlung bedeutet nicht, sich besser zu „managen“. Sondern liebevoll zu erkennen, welcher Teil in dir sich überfordert fühlt – und warum.
Vielleicht ist da ein innerer Antreiber, der nie zur Ruhe kommt.
Vielleicht ein kindlicher Anteil, der sich unbemerkt nach Halt sehnt.
Oder ein kluger Anteil, der schon lange spürt, dass das Leben, so wie es läuft, nicht mehr stimmig ist.
Wenn diese inneren Stimmen Raum bekommen – nicht bewertet, sondern gesehen – beginnt oft ganz sanft eine neue Bewegung. Nicht von außen, sondern aus deinem Innersten heraus.
Fazit: Du musst nicht zurück in dein altes Leben. Vielleicht ist es Zeit für ein neues.
Ob du gerade „nur“ überlastet bist oder schon am Rand des Zusammenbruchs stehst – dein Körper, dein Gefühl, dein Bewusstsein senden keine Fehler, sondern Botschaften.
Gesundheit durch Bewusstsein bedeutet, diesen Botschaften zuzuhören.
Mit Geduld. Mit Mitgefühl. Und mit dem Vertrauen, dass Heilung nicht immer laut beginnt – manchmal ist sie ein leises Aufatmen.
Und falls du gerade nicht weißt, wo du anfangen sollst:
Vielleicht genau hier. Mit dem Satz: Ich darf langsam wieder zu mir zurückkommen.
Wenn du magst, begleite ich dich auf diesem Weg – mit Herz, Verstand, Körperwissen und einer Prise leiser Heiterkeit. Denn manchmal ist ein kleines Lächeln der Anfang von allem.
2025 ©by Andrea Flechtenmacher